Holunder

Holunder, schwarzer

Wenn der Holunder blüht, legen die Hühner weniger.
Wie der Holunder blüht, so blühen auch die Reben.
Wenn der Holler blüht, wird der Boden nicht trocken.
Wie der Hollunder blüht, Rebe auch und Lieb‘ erglüht. Blühen beid‘ im Vollmondschein, gibt’s viel Glück und guten Wein.
(Bauernregeln)

Botanischer Name: Sambucus nigra

Familie: Geißblattgewächse, Caprifoliaceae

Volksnamen: Aalhornbeeren, Fliederbeere, Fliederbusch, Holder, Holderbeeren, Holderbusch, Holderstock, Holler, Hollerbeeren, Kissekenbaum, Musflieder

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Beschreibung

2-6m hoher Strauch oder Baum mit rissiger, grau-brauner Borke, Stamm und Zweige mit weißem Mark gefüllt. Blätter langstielig, unpaarig (5-7-zählig) gefiedert, spitzeiförmig gesägt. Kleine gelblich-weiße Blüten in tellerförmigen Trugdolden. Beeren klein, schwarzviolett glänzend.

Blütezeit

Ende Mai- Anfang Juli

Geruch & Geschmack

Blüten stark duftend, zerriebene Blätter und Rinde riechen dumpf, unangenehm

Vorkommen & Standort

Wälder, Wegränder, Schuttplätze, Hecken, in Dorf und Stadt an Straßen und in Gärten- immer in der Nähe menschlicher Siedlungen. Sehr verbreitet und häufig.

Sammelgut & Zeit

Blüten Juni bis Juli bei trockenem Wetter. Beeren August bis September, nur vollreife Dolden

Inhaltsstoffe (Früchte)

Blüten- Äth. Öl, Glykoside (Sambunigrin), Cholin, Flavonoide, Scheim, Gerbstoffe. Beeren- Zucker, Vitamine A, B-Gruppe (bes Vit. B1 und B6), C.

Wirkung

Blüten: schweisstreibend, Beeren: kräftigend, erhöhen die Widerstandskräfte, schwach verdauungsanregend (v.a. bei Säuglingen und Kleinkindern), heilend bei verschiedenen Nervenschmerzen ( Ischias, Hexenschuß, Trigeminusneuralgie, Migräne)

Heilanwendung

Tee aus Blüten- zur Schwitzkuren bei Grippe und Erkältung, mit der gleichen Menge Lindenblüten gemischt.

Vorsicht: zu große Mengen können Übelkeit und Brechreiz hervorrufen! Beeren dürfen nicht frisch, sondern NUR gekocht verwendet werden! Sambunigrin- Blausäure abspaltendes Glycosid!

Verwendung in der Küche

Blüten: Hollerküchlein, Hollersekt, Hollerblütenmilch, Holunderblütenhonig, Limonade

Beeren: Holundersaft, Wein, Mus, Suppe, Gelee, Glühwein

 

 

Wissenswertes

  • Holunder wuchs an jedem Bauernhaus, um die Bewohner vor Krankheit und Leid zu bewahren.
  • Sch.H. wurde als Symbol für Fruchtbarkeit verehrt.
  • Holunderbeeren fand man schon in den Steinzeitgraben.
  • Holunderblätter zusammen mit Äpfeln halten diese länger frisch
  • Frische Zweige hängte man früher in Räume und Ställe, um die Mücken zu vertreiben. Oder hat man sich mit diesen eingerieben.
  • Der „Holderbusch“ war der Sitz der Göttin Holder oder Holla (im Märchen: Frau Holle), die das Leben der Pflanzen und Tiere beschützte und deshalb brachten die Germanen ihr auch unter einem Holunderbaum ihre Opfer dar. Da sie die germanische Hauptgöttin ist, hatte sie bei weitem mehr Bedeutung, als es im Märchen der Gebrüder Grimm beschrieben ist. Dort könnten übrigens die Schneeflocken (bzw. das Gold) die weissen Blütensternchen des Holunders sein und das Pech die dunklen Beeren (deren Flecken ja wirklich kaum mehr rausgehen!)… einige nennen mich Mutter Holunder, andere nennen mich Dryade,
    aber eigentlich heiße ich Erinnerung“
    (aus: Andersen, Christian Mutter Holunder und andere Märchen Beltz & Gelberg 1992
  • Der Holunder ist auch eine Spielpflanze. Zum früheren Kinderspiel, besonders der Jungen, gehörte es, die Zweige des Hollerbusches als Pfeilspitzen für Pfeil und Bogen auszuhöhlen, Blasrohre oder Flöten daraus machen und die unreife Fruechte als Blasrohrgeschosse zu benutzen (Achtung: macht Flecken!).
  • Der legendäre Elderstab in der Harry-Potter-Welt, einer der drei Heiligtümer des Todes, besteht aus Holunder.

Verwechslungsgefahr

Roter Holunder- unscheinbare Blüten bereits im April, grünlich-gelbe Blüten, traubenförmig angeordnet, Früchte rot, das Mark der Äste dunkel

Traubenholunder

Attich (Sambucus ebulus) –giftig! Eher wie Staude, nie wie Baum. Die auffällig großen Blütendolden stehen aufrecht. (Schwarzer Holunder hängt).

Ringel, Ringel, Reihe,
wir sind der Kinder dreie,
wir sitzen unterm Hollerbusch,
und machen alle husch, husch, husch.
(Alter Kindervers)